9. Reisebericht von Familie Schmider – September 2016

Von Afrika nach Arabien: Kenia, Äthiopien, Sudan

Unser erstes Ziel in Kenia ist Nairobi. Hier gibt es einen bekannten Overlandertreffpunkt: alle, die Afrika von Cape to Kairo oder andersherum bereisen, kommen hier vorbei. In den letzten Jahren sind es allerdings immer weniger geworden. Wo bis vor dem arabischen Frühling täglich noch bis zu zwanzig Overlander zusammenkamen, sind es heute kaum mehr als fünf. Wir treffen hauptsächlich auf deutsche Päarchen oder Alleinreisende in Landrovern, auch Holländer sind vertreten und ein mexikanischer Motorradfahrer. In Nairobi müssen wir eine Menge Papierkram erledigen: Es dauert eine ganze Woche bis wir nach viel Mühen und Umwegen die beiden Visa für Äthiopien und den Sudan in den Händen halten. Nun jedoch steht der Weiterreise nichts mehr im Weg!



In Kenia besuchen wir noch die Massai Mara, der größte Nationalpark Kenias: Es ist die Verlängerung der Serengeti und zieht sich bis über die Grenze nach Tansania. Der Eintrittspreis ist wahnsinnig hoch, doch es lohnt sich: Wir sehen riesige Herden von Gnus und Zebras, außerdem Elefanten, Löwen, Hyänen, Giraffen, jede Menge Krokodile und Nilpferde. Es ist beeindruckend! Eine solche Tierdichte haben wir bisher noch nicht erlebt!



Nach einem Besuch am Lake Naivasha machen wir uns auf nach Norden. Ziel: Äthiopien. Bis zur Grenze sind es 600 km, nach etwa 200 km erreichen wir den Äquator. Dann müssen wir die berühmt-berüchtigte Wüste Nordkenias durchqueren. Bis vor wenigen Jahren waren die letzten 300 km bis zur Grenze eine der gefährlichsten und abgelegensten Strecken Ostafrikas mit häufigen Bandenüberfällen, jetzt aber haben sie die Straße geteert und wir rollen unbehelligt durch eine faszinierende einsame Wüstengegend nach Moyale, dem Grenzübergang.



Äthiopien überrascht uns mit einem unglaublichen grünen Hochland. Gekommen sind wir mit den medial vermittelten Bildern im Kopf: trockene, staubige Wüste und Kinder mit dicken aufgeblasenen Bäuchen und Fliegen in den Augen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Regenzeit dieses Jahr fällt reichhaltig aus, und es grünt und blüht wohin das Auge reicht. Die bergige Landschaft ist wunderschön, auf den Feldern
steht der Mais und der Tef (äthiopischer Weizen) mannshoch – Nahrung im Überfluss. Die Menschen in Äthiopien sind sehr freundlich, sie winken uns zu. Allerdings ist Äthiopien auch sehr anstrengend, denn Mensch und Tier befinden sich in einem konstanten Strom auf der Straße. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir niemanden überfahren. Zudem ist die Straße sehr holperig, mit Schlaglöchern und Speedbumps übersäht.

Nach zwei langen Fahrtagen kommen wir schließlich in Addis Abeba an, wo wir Freunde besuchen. Wir übernachten auf dem Gelände einer koptischen Kirche. Mitten in der Nacht werden wir um vier Uhr von koptischen Gesängen geweckt, die bis zehn Uhr andauern. Unser Onkel Deutz ist umringt von hunderten von weißgekleideten Gläubigen, die beten und singen. Auch eine Erfahrung, mit der wir nicht gerechnet haben!

Da es in Äthiopien momentan viele politische Unruhen gibt, beschließen wir das Land auf dem schnellsten Weg wieder zu verlassen. Wir selbst sehen zwar keine Demonstrationen, Informationen sind kaum zu bekommen, denn es gibt keine ehrliche Berichterstattung - aber die Gerüchte von gesprengten Brücken, geschlossenen Städten und niedergeschossenen Demonstranten tun ihr übriges. Innerhalb drei anstrengender Fahrtage durch wunderschöne Landschaften verlassen wir Äthiopien über den Grenzposten Metema in den Sudan.



Tagestemperaturen von 40 Grad und darüber empfangen uns. Das sind wir aus Äthiopien und Kenia nicht gewohnt! Aber: Endlich wieder Platz! Die Straßen sind leer, gerade und gut. Keine Speedbumps, keine Tiere, keine Menschen. Auch hier sieht man, dass es viel geregnet hat in den letzten Wochen, es gibt sogar einige Überschwemmungen. Wir ziehen durch bis Karthoum, wo wir uns eine wohlverdiente Ruhepause im German Guesthouse gönnen.

Die Nächte sind extrem heiß und selbst im Dachzelt hat es 35 Grad, nur am frühen Morgen wird es etwas erträglicher.
Im Sudan herrscht die Schariah, 98% der Bevölkerung sind Muslime. Es ist das sicherste Reiseland Ostafrikas und die Menschen sind sehr, sehr freundlich. Auch hier sind wir wieder positiv überrascht und wundern uns über das Bild, das die Medien uns in Deutschland vermitteln wollen.

Der Sudan ist berühmt für seine Wüste, seine Gastfreundschaft, den Nil und seine Pyramiden, die ebenso schön sein sollen wie die ägyptischen. In den nächsten Tagen werden wir diesen eine Besuch abstatten und dann weiter über Wadi Halfa nach Ägypten fahren – unser letztes Reiseland auf dem afrikanischen Kontinent. Von Alexandria aus wird unser Onkel Deutz Anfang November nach Italien verschifft. Unsere Reise nähert sich ihrem Ende entgegen.